Die Soziologin und Künstlerin Eylem Şen startete mit einem Einblick in ihre Arbeit zum rechtsextrem-islamistischen Anschlag auf alevitische/kurdische Kunstschaffende im Hotel Madımak in Sivas, 1993. Dreiunddreißig Menschen starben bei dem Brandanschlag. In ihrem Vortrag stellte sie besonders hervor, dass Formen des Faschismus jeden Tag reproduziert werden und Fragen nach dem gesellschaftlichen Klima gestellt werden müssen. Sie stellte das Madımak Massacre Memory Centre vor, ein virtueller Erinnerungsort, der die Betroffenenperspektiven hervorhebt: Madımak Massacre Memory Centre. Anknüpfend daran stellte Ceren Türkmen Überlegungen zu alevitischer Selbstorganisation, Erinnerungskultur und Solidarität in Deutschland nach 1993 an. Sie nahm den Brandanschlag in Solingen sowie den Brandanschlag in Sivas in den Blick. Ihre Analyse macht deutlich, dass beide Taten tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind, und zeigt zugleich, wie die Rahmung der Betroffenen als „Türk:innen“ dazu beiträgt, Machtasymmetrien und strukturelle Ungleichheiten zu reproduzieren sowie das rassismuskritische Potenzial erheblich zu beeinträchtigen.
Moderiert wurde der Abend von Antonia Rode von der Hochschule München.
