Eröffnet wurde der Fachtag im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales in München von Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf.
Prof. Dr. Mehmet Kart, Professor für Sozialwissenschaften in der Sozialen Arbeit an der OTH Regensburg, hielt die Keynote zum Thema „Radikalisierung als Herausforderung für die Kinder- und Jugendhilfe". Im Mittelpunkt standen die Bedeutung von Prävention, die frühzeitige Wahrnehmung von Radikalisierungsprozessen und die Handlungsmöglichkeiten pädagogischer Fachkräfte.
Kart betonte insbesondere die Bedeutung eines differenzierten Blicks: Pädagogische Fachkräfte sollten Veränderungen im Verhalten junger Menschen aufmerksam wahrnehmen, ohne vorschnell zu stigmatisieren. Entscheidend seien fachliches Wissen, tragfähige pädagogische Beziehungen und die Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratungs- und Unterstützungsangeboten. In der anschließenden Podiumsdiskussion „Wissenschaft trifft Praxis" diskutierte er mit Prof. Dr. Janine Linßer von der TH Augsburg, Jörg Breitweg der Aktion Jugendschutz Bayern und Christian Mätzler vom Jugendamt Nürnberg über pädagogische Ansätze und Interventionsmöglichkeiten.
Weitere Beiträge stellten die bayerischen Beratungsstrukturen, die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden sowie datenschutzrechtliche Fragen vor. Am Nachmittag vertieften die Teilnehmenden in praxisorientierten Workshops unter anderem die Rolle sozialer Medien, das familiäre Umfeld sowie Möglichkeiten früher Intervention und Vernetzung.
Der Fachtag verdeutlichte: Prävention von Radikalisierung ist eine gemeinsame Aufgabe von Kinder- und Jugendhilfe, Bildung, Familie, Wissenschaft und spezialisierten Beratungsstrukturen. Pädagogische Fachkräfte benötigen dafür praxisnahes Wissen, fachliche Unterstützung und Handlungssicherheit.
Prof. Dr. Mehmet Kart forscht und lehrt an der OTH Regensburg unter anderem zu Radikalisierung und Prävention, Extremismus, Antisemitismus, Rassismus und gesellschaftlicher Teilhabe. Im Forschungsprojekt „Pädagogisches Handeln im Kontext von Antisemitismus in Bayern" (PHAB) untersucht er aktuell Herausforderungen und Präventionsmöglichkeiten in der bayerischen Kinder- und Jugendarbeit.