In der Studie haben Prof. Dr. Can M. Aybek, Professor für Empirische Sozialforschung, und Prof. Dr. Mehmet Kart, Professor für Sozialwissenschaften in der Sozialen Arbeit, die Rolle der Sprachmittlung im Sozialwesen sowie die daraus resultierenden professionellen Herausforderungen untersucht - sowohl vor Ort als auch digital. Sprachmittlung wird dabei als zentrale Ressource verstanden, um die kommunikative Teilhabe Zugewanderter zu sichern. Die Studie basiert auf Leitfadeninterviews, die inhaltsanalytisch ausgewertet wurden.
„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass in sogenannten triadischen Gesprächen zwischen Fachkraft, Klient:in und Sprachmittler:in Sprachmittlung zwar häufig als `neutral` beschrieben wird, in der Praxis jedoch Sprachmittelnde oft aktivere Aufgaben übernehmen, indem sie sich etwa an der Moderation und Strukturierung von Gesprächsverläufen beteiligen“, sagt Prof. Aybek. Dennoch zeige die Studie auch, dass die Gespräche zumeist durch Machtasymmetrien zugunsten der Fachkräfte gekennzeichnet seien. „Die Anforderungen an die Vertraulichkeit der besprochenen Inhalte sind hoch. Die Gesprächsdynamik zwischen den Beteiligten ist häufig durch interkulturelle Aspekte beeinflusst“, so Prof. Kart.
Trotz Digitalisierung spielen Gespräche in Präsenz weiterhin eine wichtige Rolle
Die digitale Sprachmittlung, im Gegensatz zu Vor-Ort-Gesprächen, bietet zwar Vorteile bei dringlichen oder sachlich-informativen Anliegen durch schnelle Verfügbarkeit und Flexibilität von Sprachmittelnden. Allerdings stellt sie die Beteiligten auch vor organisatorische, technische und interaktive Herausforderungen.
Insgesamt, so das Fazit der Studie, erfordert eine gelingende Sprachmittlung kontextsensible Rahmenbedingungen, interaktionsbezogene Kompetenzen und organisationale Unterstützung. In sensiblen Kontexten und bei Erstkontakten bleibt die Vor-Ort-Präsenz oft unerlässlich.
Über die „Bremer Schriften zur Sozialen Arbeit“
Die „Bremer Schriften zur Sozialen Arbeit“ werden von Prof. Dr. Annette Harth von der Fakultät Gesellschaftswissenschaften der HSB herausgegeben. Es werden regelmäßig Ergebnisse aus der laufenden Forschungs- und Theoriediskussion der Sozialen Arbeit vorgestellt. Neben Fachbeiträgen, Dokumentationen von Fachveranstaltungen und Arbeitspapieren können dort auch Vorabveröffentlichungen und besonders gelungene Qualifikationsarbeiten erscheinen. Die Reihe richtet sich an Fachkräfte aus Wissenschaft und Praxis Sozialer Arbeit, aber auch an Interessierte in Politik und Gesellschaft.
Weitere Informationen:
Der 5. Band der Bremer Schriftenreihe zur Sozialen Arbeit ist als Open-Access Publikation bei der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen kostenfrei unter diesem Link abrufbar.
Bei Fragen wenden Sie sich an:
Prof. Dr. Mehmet Kart
