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Sommerreihe “Overlooked and Concealed: The impact of the ‚Grey Wolves’”

Mit vier weiteren Veranstaltungen setzte die Sommerreihe „Overlooked and Concealed: The Impact of the ‘Grey Wolves’“ ihre transnationale Auseinandersetzung mit der Ülkücü-Bewegung fort und beleuchtete deren Verflechtungen mit Antisemitismus, Rechtsextremismus, Religion sowie Friedens- und Konfliktdynamiken. Die Beiträge machten deutlich, dass sich die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Bewegung nur verstehen lassen, wenn nationale Perspektiven überwunden und grenzüberschreitende politische, kulturelle und ideologische Verbindungen in den Blick genommen werden.

Die Sommerreihe „Overlooked and Concealed: The Impact of the ‘Grey Wolves’“ wurde zwischen dem 26. Mai und dem 16. Juni 2026 mit vier weiteren Veranstaltungen fortgesetzt und beleuchtete die Ülkücü-Bewegung sowie ihr politisches und gesellschaftliches Umfeld aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven. Im Mittelpunkt standen die Themen Antisemitismus, rechtsextreme Parteien und Bewegungen, die Rolle der Religion sowie Erkenntnisse aus der Friedens- und Konfliktforschung. Wie bereits die vorangegangenen Veranstaltungen der Reihe zeigte auch dieser Teil des Programms, dass sich die Analyse der Ülkücü-Bewegung nicht auf nationale Grenzen beschränken lässt, sondern einen transnationalen Blick erfordert.

Den Abend vom 26.05.26 widmeten wir dem Thema Antisemitismus. Nikolai Schreiter von der Universität Passau, der den Vortrag stellvertretend für Dr. Elke Rajal hielt, beschäftigte sich mit den Entwicklungen des Antisemitismus in Deutschland nach den Terrorangriffen der Hamas vom 7. Oktober 2023. Er verdeutlichte Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen und als sogenannte Brückenideologie, die unterschiedliche politische Milieus miteinander verbinden kann. Dabei wurden verschiedene Erscheinungsformen, Deutungsmuster und Verschwörungserzählungen sowie deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland diskutiert. Im Anschluss zeichnete der Historiker und unabhängige Wissenschaftler Rıfat Bali die Entwicklung des Antisemitismus in der Türkei von den frühen Jahren der Republik bis in die Gegenwart nach. Dabei beleuchtete er ideologische Strömungen, politische Hintergründe und gesellschaftliche Dynamiken, die antisemitische Einstellungen geprägt haben, und ging ebenfalls auf Entwicklungen seit dem 7. Oktober 2023 ein. Die Gegenüberstellung der deutschen und türkischen Perspektive machte deutlich, dass antisemitische Narrative zwar in unterschiedlichen nationalen Kontexten auftreten, zugleich aber vielfach ähnliche Muster aufweisen und über Grenzen hinweg zirkulieren.

Eine Woche später, am 02.06.26, fokussierte die Reihe rechtsextremen Parteien und Bewegungen in Deutschland und der Türkei. Dr. Anna-Sophie Heinze von der Universität Trier analysierte die AfD als Rechtsaußenpartei und erläuterte ihre ideologischen Grundlagen, ihre organisatorische Struktur sowie die daraus resultierenden politischen Einflussmöglichkeiten. Dadurch wurde die AfD in einen internationalen Kontext rechtsextremer Parteientwicklungen eingeordnet. Daran anknüpfend stellte Dr. Begüm Uzun Taşkın von der MEF University in Istanbul Ergebnisse einer Feldstudie zu jungen nationalistischen Milieus in der Türkei vor. Die Untersuchung zeigte eine Kombination aus migrationsfeindlichen Ressentiments, einer starken Bindung an den Säkularismus und Kritik an demokratischen Erosionsprozessen. Gerade diese Konstellation verdeutlichte, dass sich rechtsextreme und nationalistische Mobilisierung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten unterschiedlich ausformen kann und nicht immer den bekannten Mustern europäischer Rechtsaußenbewegungen folgt.

Am 09.06.26 Juni rückte anschließend die Rolle der Religion in den Fokus. Dr. Fikriye Yücesoy von der Mimar Sinan Fine Arts University analysierte die Entwicklung islamistischer Bewegungen in der Türkei und deren Veränderung während der AKP-Regierungszeit. Sie zeigte auf, wie sich trotz erheblicher Unterschiede zwischen mainstream- und radikalislamistischen Strömungen Überschneidungen in historischen Narrativen, sakralen Vorstellungswelten und Formen von Hassrede erkennen lassen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie sich Berührungspunkte zwischen islamistischen und ultranationalistischen Akteuren politisch nutzen lassen. Daran anschließend untersuchte Dr. Evrim Erşan Akkılıç vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) die Einbettung von Ülkücü-Organisationen in die institutionellen islamischen Strukturen Österreichs. Anhand religiöser, kultureller und erinnerungspolitischer Praktiken zeigte sie, wie ultranationalistische Akteure gesellschaftliche Legitimität gewinnen und ihre Strukturen reproduzieren. Zugleich verwies sie auf die zunehmende Nähe zwischen Ülkücü-Organisationen und regierungsnahen Akteuren des türkischen Staates in Österreich, wodurch sich politische Entwicklungen in der Türkei unmittelbar in diaspora-politischen Räumen widerspiegeln.

Den Abschluss der Sommerreihe bildeten Beiträge aus der Friedens- und Konfliktforschung am 16.06.26. Dr. Aydın Bayad von der Universität Bielefeld untersuchte die Auswirkungen türkischer Diasporapolitik auf Identitätsbildungsprozesse unter Postmigrant:innen in Deutschland. Seine Forschung zeigte, dass ethnonationale und religiöse Identitäten in transnationalen Räumen zunehmend essentialisiert werden und kulturelle Zugehörigkeiten neue Bedeutung erhalten. Anhand ethnografischer Beobachtungen und Interviews verdeutlichte er die Dynamiken innerhalb verschiedener Gemeinschaften, darunter auch der Ülkücü-Bewegung. Im abschließenden Vortrag widmete sich Dr. Sinem Arslan von der London School of Economics dem seit 2024 laufenden Friedensprozess zwischen dem türkischen Staat und der PKK. Aus konfliktlösungstheoretischer Perspektive diskutierte sie die politischen Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Erfolgsvoraussetzungen eines Friedensprozesses unter Bedingungen demokratischer Defizite und anhaltender Repression. Gleichzeitig zeigte ihr Beitrag, dass Konflikte, Nationalismus und Friedensbemühungen in der Türkei weit über die Landesgrenzen hinauswirken und auch für die Diaspora von großer Bedeutung sind.

Mit diesen Veranstaltungen knüpfte die Sommerreihe an zentrale Themen der vorangegangenen Beiträge an, darunter die Erinnerung an rechte Gewalt, die aktuelle Situation des Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland sowie Fragen von Migration und Transnationalismus. Gerade die Auseinandersetzung mit der Ülkücü-Bewegung hat verdeutlicht, dass ein ausschließlich nationalstaatlicher Blick zu kurz greift. Die Bewegung organisiert sich, verbreitet ihre Ideologien und reproduziert ihre Strukturen in transnationalen Räumen, die die Türkei ebenso einschließen wie europäische Länder mit großen Diasporagemeinschaften. Ein transnationaler Ansatz macht sichtbar, wie politische Entwicklungen, Identitäten, Erinnerungspraktiken und Mobilisierungsstrategien über Grenzen hinweg miteinander verwoben sind. Nur so lassen sich die gesellschaftlichen Auswirkungen der Ülkücü-Bewegung umfassend verstehen und in größere Debatten über Rechtsextremismus, Demokratie, Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt einordnen.

Zum Schluss gilt ein herzlicher Dank allen Vortragenden für ihre bereichernden Beiträge und die Bereitschaft, ihre Forschung und ihr Wissen mit dem Publikum zu teilen. Ebenso danken wir den Moderator:innen sowie allen Teilnehmenden, deren Interesse und engagierte Diskussionen die Sommerreihe zu einem lebendigen Ort des wissenschaftlichen Austauschs gemacht haben.