Die Ergebnisse entstanden im Rahmen des Projekts „Türkischer Ultranationalismus und Rechtsextremismus im Sportumfeld“ der dsj – Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund e.V., das durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wurde. Der Forschungs- und Evaluationsbericht liefert erstmals ein bundesweites Lagebild zu Erscheinungsformen türkisch-ultranationalistischer Netzwerke im organisierten Sport.
Bundesweites Mapping macht Strukturen sichtbar
Im Zentrum der Untersuchung steht ein bundesweites Mapping von Sportvereinen. Dabei wurden 153 türkische beziehungsweise „türkisch gelesene“ Fußballvereine in 110 Städten erfasst. Bei 16 Vereinen fanden sich Hinweise auf Verbindungen zu ultranationalistischen und rechtsextremen Netzwerken. Weitere sechs Vereine wiesen Tendenzen zu einem stark islamisch geprägten Profil auf.
Die Forschenden betonen, dass es sich nicht um pauschale Zuschreibungen handelt. Vielmehr untersucht die Studie konkrete Strukturen, Praktiken und Vernetzungen und versteht sich als Momentaufnahme eines dynamischen Feldes.
Ideologien zeigen sich häufig im Alltag
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass ultranationalistische Ideologien im Sport selten offen politisch auftreten. Stattdessen zeigen sie sich häufig in Symbolen, Gesten, Musik, Sprache oder alltagskulturellen Praktiken.
„Der organisierte Sport ist kein politikfreier Raum“, erklärt Prof. Dr. Mehmet Kart. „Ultranationalistische Deutungen entfalten ihre Wirkung insbesondere dort, wo sie an Erfahrungen von Zugehörigkeit, Anerkennung oder auch Diskriminierung anknüpfen. Gerade diese Anschlussfähigkeit macht sie für die pädagogische Praxis relevant.“
Empfehlungen für Vereine, Verbände und Politik
Die Studie formuliert konkrete Handlungsempfehlungen für den organisierten Sport. Vereinen und Verbänden empfehlen die Forschenden unter anderem:
- verbindliche Leitlinien gegen Diskriminierung und Extremismus,
- feste Ansprech- und Beschwerdestrukturen,
- Sensibilisierung und Qualifizierung von Trainer:innen,
- Präventions- und Demokratiethemen in Aus- und Fortbildungen.
Statt ausschließlich auf Verbote und Sanktionen zu setzen, plädieren die Forschenden für dialogische, reflexive und lebensweltorientierte Ansätze, die junge Menschen erreichen und demokratische Werte stärken.
Auch Politik und Verwaltung sehen sie in der Verantwortung. Notwendig seien langfristige Förderstrukturen, niedrigschwellige Zugänge zu Fördermitteln sowie ein kontinuierliches Monitoring, das Vereine unterstützt und nicht primär kontrolliert.
Das Fazit der Studie: Prävention im Sport ist keine Zusatzaufgabe, sondern eine Investition in demokratische Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Schutz vor extremistischen Ideologien.
Weitere Informationen:
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse ist unter diesem Link abrufbar.
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