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Narrative Schmerzedukation

Was ist narrative Schmerzedukation?

Schmerzedukation ist eine Therapieform in der Physiotherapie zur Aufklärung über die komplexen Vorgänge bei Schmerz bei neuromuskuloskelettalen Erkrankungen mit dem Ziel ein Verständnis für Schmerzmechanismen, ihre biopsychosozialen Einflüsse und mögliche Strategien zur Selbstwirksamkeit zur vermitteln.

Voraussetzung dafür, dass Therapeut*innen Schmerz erklären können, ist, dass sie sich selbst mit Schmerz gut auskennen.

In den USA wird Schmerzedukation erfolgreich mit der Hilfe von Grafiken und Metaphern umgesetzt. Das Labor Physiotherapie entwickelt und testet Narrative, die an die Lebenswelten und Versorgungskontexte von Patient*innen in Deutschland angepasst sind.

Gerne stellen wir die Narrative zur Verfügung. Diese Seite ist work in progress, wir entwickeln, testen verändern und stellen hier zeitnah immer den aktuellen Stand zusammen.

Schmerznarrative für die Therapie

Bei Nutzung unserer Geschichten würden wir uns über Ihr Feedback freuen!

Wir möchten unser Angebot an Geschichten für die narrative Schmerzedukation kontinuierlich erweitern und die bereits vorhandenen Materialien fortlaufend verbessern. Dabei sind wir auf die Erfahrungen und Einschätzungen derjenigen angewiesen, die unsere Geschichten in der Praxis einsetzen.

Ihre Rückmeldung hilft uns dabei, die Verständlichkeit, die inhaltliche Gestaltung und die praktische Anwendbarkeit der Geschichten weiterzuentwickeln. Wir freuen uns daher sehr, wenn Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen und uns über den folgenden Fragebogen von Ihren Erfahrungen berichten.

Hier gehts zum Fragebogen!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Unsere Schmerzgeschichten

Anleitungsvideo unserer Studierenden zur narrativen Schmerzedukation

Welche Arten von Schmerzen gibt es?

  • Definition (IASP): „Schmerz, der durch eine tatsächliche oder drohende Schädigung von nicht-neuralem Gewebe entsteht und auf die Aktivierung von Nozizeptoren zurückzuführen ist." [1]

    Nozizeptiver Schmerz stellt den häufigsten Schmerztyp dar und bildet den physiologischen Schutzmechanismus des Nervensystems. Er entsteht, wenn spezialisierte periphere sensorische Neuronen — Nozizeptoren — durch schädliche mechanische, thermische oder chemische Reize aktiviert werden, die aus einer tatsächlichen oder drohenden Gewebeschädigung resultieren. Das nozizeptive System fungiert als Frühwarnsystem und löst schützende Verhaltensreaktionen aus, wie das Zurückziehen von schädlichen Reizen oder die Ruhigstellung verletzten Gewebes zur Förderung der Heilung.

    Das Kennzeichen nozizeptiven Schmerzes ist seine proportionale Beziehung zur identifizierbaren Gewebepathologie: Der Schmerz korreliert mit dem Ausmaß der Gewebeschädigung und klingt typischerweise mit fortschreitender Heilung ab. 

    [1] IASP Terminology. International Association for the Study of Pain. https://www.iasp-pain.org/resources/terminology/

     


  • Definition (IASP): „Schmerz, der durch eine Läsion oder Erkrankung des somatosensorischen Nervensystems verursacht wird." [1]

    Neuropathischer Schmerz entsteht als direkte Folge einer nachweisbaren Läsion oder Erkrankung des peripheren oder zentralen somatosensorischen Nervensystems. Im Gegensatz zum nozizeptiven Schmerz, der Gewebeschädigung über normale neurale Bahnen signalisiert, resultiert neuropathischer Schmerz aus pathologischen Veränderungen innerhalb des Nervensystems selbst — der schmerzleitende Apparat wird zur Quelle der Schmerzgenerierung.

    [1] IASP Terminology. International Association for the Study of Pain. https://www.iasp-pain.org/resources/terminology/


  • Definition (IASP, 2017): „Schmerz, der durch eine veränderte Nozizeption entsteht, ohne dass eindeutige Hinweise auf eine tatsächliche oder drohende Gewebeschädigung mit Aktivierung peripherer Nozizeptoren oder auf eine Erkrankung oder Läsion des somatosensorischen Systems als Schmerzursache vorliegen." [1] [2]

    Noziplastischer Schmerz wurde 2017 von der IASP als dritter mechanistischer Schmerzdeskriptor eingeführt und schließt eine bedeutende Lücke in der Schmerzklassifikation. Er beschreibt chronische Schmerzzustände, bei denen weder eine identifizierbare Gewebeschädigung (nozizeptiver Mechanismus) noch eine nachweisbare Läsion des somatosensorischen Systems (neuropathischer Mechanismus) das Schmerzerleben des Patienten hinreichend erklärt. Der Begriff spiegelt dokumentierte Veränderungen der nozizeptiven Verarbeitung im Nervensystem wider — der Schmerz ist weder „eingebildet" noch „unerklärlich", sondern resultiert aus funktionellen Veränderungen der Schmerzmodulation und -verarbeitung.

    [1] IASP Terminology. International Association for the Study of Pain. https://www.iasp-pain.org/resources/terminology/

    [2] Kosek E et al. (2021 ). Chronic nociplastic pain affecting the musculoskeletal system: clinical criteria and grading system. Pain, 162(11), 2629–2634.


  • Arbeitsdefinition: „Schmerz, der durch das gleichzeitige Vorliegen nozizeptiver, neuropathischer und/oder noziplastischer Mechanismen innerhalb desselben klinischen Zustands gekennzeichnet ist und zu einem heterogenen Symptomprofil führt." [1]

    Mixed Pain beschreibt klinische Schmerzzustände, bei denen mehrere Schmerzmechanismen — nozizeptiv, neuropathisch und potenziell noziplastisch — gleichzeitig koexistieren und simultan zum Schmerzerleben der Patient*innen beitragen. Obwohl der Begriff „Mixed Pain" von der IASP nicht als offizieller Taxonomie-Begriff übernommen wurde, wird er in der klinischen Praxis und Forschung zunehmend als prävalente und klinisch relevante Entität anerkannt, die erhebliche diagnostische und therapeutische Herausforderungen mit sich bringt [8].

    [1] Varrassi G et al. (2025). Mixed pain: clinical practice recommendations. Frontiers in Medicine, 12, 1659490.

     


Schmerzklassifikation

Schmerz ist nicht gleich Schmerz: Ähnliche Beschwerden können durch unterschiedliche Mechanismen geprägt sein. Grundsätzlich wird zwischen nozizeptiven, neuropathischen und noziplastischen Schmerzmechanismen unterschieden. Eine mechanismenorientierte Klassifikation hilft dabei, die Angaben der Patientinnen und Patienten sowie die klinischen Befunde systematisch einzuordnen. Sie unterstützt therapeutische Fachpersonen dabei, mögliche Einflussfaktoren besser zu verstehen, therapeutische Schwerpunkte nachvollziehbar festzulegen und den Betroffenen die Entstehung und Aufrechterhaltung ihrer Schmerzen verständlich zu erklären.

Die dargestellte Entscheidungshilfe orientiert sich am schrittweisen Vorgehen des internationalen und multidisziplinären Low Back Pain Phenotyping Consortiums (BACPAP). Dabei werden zunächst Hinweise auf einen überwiegend nozizeptiven oder neuropathischen Mechanismus geprüft. Erklären diese die Beschwerden nicht ausreichend, werden unter anderem die Schmerzverteilung, klinisch oder anamnestisch feststellbare Überempfindlichkeiten sowie häufig begleitende Symptome berücksichtigt, um Hinweise auf einen möglichen oder wahrscheinlichen noziplastischen Schmerzmechanismus zu erfassen.

Die Klassifikation ist als strukturierende Orientierungshilfe zu verstehen. Schmerzmechanismen können sich überschneiden und bei einer Person gleichzeitig auftreten. Die Einordnung ersetzt daher weder eine umfassende Anamnese und klinische Untersuchung noch eine medizinische Diagnostik. Zudem wurden die BACPAP-Empfehlungen speziell für Menschen mit Rückenschmerzen entwickelt. Eine Übertragung auf andere Schmerzbilder sollte daher kritisch erfolgen.



Schwerzedukation - Wissenschaft

Aktuelle Evidenz weist auf einen Effekt von PNE hin. Allerdings ist die die Heterogenität der Studien und der eingesetzten Schmerzedukationen sehr groß und sowohl die Qualität der Reviews als auch der meisten Studien moderat oder schlecht. Auch ist unklar, wie Schmerzedukation am besten umgesetzt wird.  Wie viel Edukation es braucht, liegt dabei zu einem großen Anteil am angestrebten Outcome und an der Einbindung in weitere Therapien. Es fehlt bisher an Standardisierung sowie Anpassung an Kultur und Bildungsstand.

Systematische Übersichtsarbeiten

  • Cuenca-Martínez, F., Suso-Martí, L., Calatayud, J., Ferrer-Sargues, F. J., Muñoz-Alarcos, V., Alba-Quesada, P., & Biviá-Roig, G. (2023). Pain neuroscience education in patients with chronic musculoskeletal pain: An umbrella review. Frontiers in Neuroscience, 17. https://doi.org/10.3389/fnins.2023.1272068

    Martinez-Calderon, J., Ho, E. K.-Y., Ferreira, P. H., Garcia-Muñoz, C., Villar-Alises, O., & Matias-Soto, J. (2023). A Call for Improving Research on Pain Neuroscience Education and Chronic Pain: An Overview of Systematic Reviews. The Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy, 53(6), 353–368. https://doi.org/10.2519/jospt.2023.11833


  • Tatikola, S. P., Natarajan, V., Amaravadi, S. K., Desai, V. K., Asirvatham, A. R., & Nagaraja, R. (2025). Effect of pain neuroscience education+ (PNE+) in people with different mechanisms of chronic pain: A systematic review and meta-analysis. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 41, 215–237. https://doi.org/10.1016/j.jbmt.2024.11.016

    Salazar-Méndez, J., Cuyul-Vásquez, I., Ponce-Fuentes, F., Guzmán-Muñoz, E., Núñez-Cortés, R., Huysmans, E., Lluch-Girbés, E., Viscay-Sanhueza, N., & Fuentes, J. (2024). Pain neuroscience education for patients with chronic pain: A scoping review from teaching-learning strategies, educational level, and cultural perspective. Patient Education and Counseling, 123, 108201. https://doi.org/10.1016/j.pec.2024.108201

    Núñez-Cortés, R., Salazar-Méndez, J., Calatayud, J., Malfliet, A., Lluch, E., Mendez-Rebolledo, G., Guzmán-Muñoz, E., López-Bueno, R., & Suso-Martí, L. (2024). The optimal dose of pain neuroscience education added to an exercise programme for patients with chronic spinal pain: A systematic review and dose-response meta-analysis. Pain, 165(6), 1196–1206. https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000003126

    Núñez-Cortés, R., Salazar-Méndez, J., Calatayud, J., Lluch, E., López-Bueno, R., Horment-Lara, G., Cruz-Montecinos, C., & Suso-Martí, L. (2024). How do the target concepts of pain science education combined with exercise contribute to the effect on pain intensity and disability in patients with chronic spinal pain? A systematic review and meta-analysis with moderator analysis. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 163, 105740. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2024.105740

    Lin, L.-H., Lin, T.-Y., Chang, K.-V., Wu, W.-T., & Özçakar, L. (2024). Pain neuroscience education for reducing pain and kinesiophobia in patients with chronic neck pain: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. European Journal of Pain (London, England), 28(2), 231–243. https://doi.org/10.1002/ejp.2182

    Lepri, B., Romani, D., Storari, L., & Barbari, V. (2023). Effectiveness of Pain Neuroscience Education in Patients with Chronic Musculoskeletal Pain and Central Sensitization: A Systematic Review. International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(5), 4098. https://doi.org/10.3390/ijerph20054098

    Salazar-Méndez, J., Núñez-Cortés, R., Suso-Martí, L., Ribeiro, I. L., Garrido-Castillo, M., Gacitúa, J., Mendez-Rebolledo, G., Cruz-Montecinos, C., López-Bueno, R., & Calatayud, J. (2023). Dosage matters: Uncovering the optimal duration of pain neuroscience education to improve psychosocial variables in chronic musculoskeletal pain. A systematic review and meta-analysis with moderator analysis. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 153, 105328. https://doi.org/10.1016/j.neubiorev.2023.105328


Buchtipps

  • Butler, D. S., & Moseley, G. L. (2016). Schmerzen verstehen (3. Aufl.). Springer Berlin Heidelberg.

    Moseley, G. L., & Butler, D. S. (2017). Explain pain supercharged: The clinician’s manual. Noigroup Publications.

    Louw, A., Puentedura, E. J., Schmidt, S., & Zimney, K. (2018). Pain neuroscience education: Teaching people about pain (2nd ed.). Orthopedic Physical Therapy Products.

    Gifford, L. (2021a). Louis Gifford aches and pains: Book one: Aches and pains. Philippa Tindle.

    Gifford, L. (2021b). Louis Gifford aches and pains: Book two: Nerve root. Philippa Tindle.

    Gifford, L. (2021c). Louis Gifford aches and pains: Book three: Graded exposure. Philippa Tindle.